15.6.09

Press Carrot Mob

Einige Gedanken zu dem pressemäßig doch sehr euphorisch bespielten deutschlandweit ersten Carrot Mob, den ich mir am Samstag in den Anfängen angesehen habe:

Es geht darum, Läden zu belohnen, die versprechen, ihren Laden nachhaltiger zu gestalten. Dafür kommen alle einkaufen, zu einem abgemachten Zeitpunkt. Der Spätkaufladen (in anderen Teilen Deutschlands auch 'Kiosk' genannt) Multikulti auf der Wiener Straße durfte sich als erster überfallen lassen.

Als ich dort ankam, kurz nach der angesagten Mobzeit 16 Uhr, waren vielleicht (maximal!) 70 Leute da, die meisten standen vor der Tür und hatten Mikros in der Hand, Kameras auf der Schulter oder schrieben eifrig auf Notizblöcke. Ein Presseevent also.

Im Späti drinnen wies mich ein junger, hip aussehender Mensch gleich wieder gen Tür - der Laden solle nun wieder verlassen werden, damit man dann gleich richtig schön medial stürmen könne.

Die Inszenierung war also wichtiger als die Aktion, von Spontaneität war eh keine Rede, und ich würde mich nicht wundern, wenn die Presseleute (zu denen ich ja auch mehr oder weniger gehörte) sich nicht alle gegenseitig interviewt haben.

Den Späti Multikulti kenne ich vor allem als Ausstatter in Tabak-, Alkohol- und Weingummifragen. Zunächst überaschte es mich, dass dieser Laden für Nachhaltigkeits- und Öko-Aktivismus ausgewählt wurde. Aber eigentlich ergibt das schon Sinn, ich hab's nur erst nicht kapiert.

Später hat es mir dann einer von den anderen Pressemenschen, @Pachulke erklärt, und das leuchtete dann ein - man wolle gerade an solche Läden ran, die mit Nachhaltigkeit und Öko sonst nichts zu tun haben.

Vielleicht hab ich auch nur den komischen Anfang mitbekommen. Angeblich wurde es dann nämlich noch richtig nett, es gab Live-Musik, die Taz sprach von 400 begeisterten Carrot Mobbern, die 2000 Euro im Laden ließen, damit die Besitzer für die Colas und Biere und Schokoriegel dann Energiesparbirnen und Wärmedämmung anschaffen können. 35 Prozent gehen in Nachhaltigkeit, das soll sogar in einem Vertrag besiegelt worden sein.

Was ist die Hoffnung bei der Sache, über die 700 Euro für Birnen und Dämmmaterial und das, was dadurch gespart wird, hinaus? Dass der Laden demnächst Vattenfall kündigt und Ökostrom kauft, weil ihn die jungen Menschen so beeindruckt haben?

Ich finde es cool, dass es Ecofashionjunkies gibt, und Leute, die auf Ideen wie Carrot Mob kommen und sich Gedanken machen, wie man Nachhaltigkeit ins Bewusstsein holt.

Nach dem Auftakt vom Samstag blieb für mich leider das Gefühl: Yet another show...

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Stimme Dir - zumind. auf den ersten Durchleser - voll und ganz zu. Ziemlicher Medienevent war das u. die Relevanz lässt auch ein wenig Fragezeichen zurück. Die anderen Team-Mitglieder waren im Übrigen bei Weitem nicht so trendy, faishonable wie der Mensch mit der schicken großen Brille, der Dich des Ladens verwiesen hat. Die hatten zum Teil sogar richtig was zu sagen. Ich denke, der gesamte Event lädt zum Weiter- und Besserdenken ein. Allein für die Inspiration, was aus so einer Aktion noch werden könnte, hat sich die Sache gelohnt. Und natürlich, dass wir uns über den Weg gelaufen sind.

Beste Grüße,

Volker